Die dunkle Jahreszeit genießen: Tipps gegen den Herbstblues
Warum uns die dunkle Jahreszeit müde macht, weshalb wir nicht immer im Sommermodus sein müssen und wie wir den Herbst trotzdem genießen können.
Autorenhinweis
Geschrieben von: Larissa Schütz
📌 Kurz erklärt:
Weniger Tageslicht beeinflusst unsere innere Uhr und kann dazu führen, dass wir uns im Herbst müder und antriebsloser fühlen. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Statt gegen jedes Stimmungstief anzukämpfen, lohnt es sich, den eigenen Tagesablauf ein bisschen an die Jahreszeit anzupassen. Tageslicht bewusst nutzen, schöne Unternehmungen fest einplanen und sich auch mal einen ruhigen Abend erlauben. Denn sich etwas Gutes zu tun bedeutet nicht automatisch, besonders viel zu unternehmen.
Kaum beginnt der Herbst und damit die dunkle Jahreszeit, erinnern wir uns noch daran, wie wir abends draußen saßen, die letzten Sonnenstrahlen genossen und überlegt haben, ob wir nochmal kurz zum Schwimmen radeln sollen. Und plötzlich steht man morgens vor dem Kleiderschrank, sucht die warme Jacke und fragt sich, ob es wirklich schon wieder Zeit ist, die Heizung anzumachen.
Wo ist denn auf einmal dieser Herbst hergekommen?
Gefühlt hat er in diesem Jahr nicht einmal richtig angeklopft. Und mit den kühleren Temperaturen und kürzeren Tagen ist bei vielen von uns auch die Energie verschwunden. Abends um acht fühlt es sich an wie kurz vor Mitternacht. Unternehmungen, auf die man sich vor wenigen Wochen noch gefreut hätte, erscheinen plötzlich ziemlich anstrengend. Und morgens wäre eine weitere halbe Stunde im Bett auch nicht schlecht.
Der Volksmund spricht hier gerne vom Herbstblues. Aber warum macht uns der Herbst eigentlich so müde?
Unsere innere Uhr bekommt in der dunklen Jahreszeit weniger Licht
Die Erklärung beginnt tatsächlich beim Tageslicht. Unser Körper besitzt eine innere Uhr, die unter anderem steuert, wann wir wach und wann wir müde werden. Einer ihrer wichtigsten Taktgeber ist das Licht.
Im Sommer bekommen wir davon reichlich. Im Herbst werden die Tage kürzer und wir verbringen oft mehr Zeit in Innenräumen. Das kann unseren Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen. Auch das Hormon Melatonin, das an der Regulation unseres Schlafs beteiligt ist, spielt dabei eine Rolle. Manche Menschen reagieren auf die veränderten Lichtverhältnisse mit mehr Müdigkeit, weniger Antrieb oder gedrückter Stimmung.
Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch im Herbst automatisch mehr Schlaf braucht. Aber das Gefühl, gerade nicht ganz so viel Energie zu haben wie im Sommer, ist durchaus nachvollziehbar.
Im Sommer ist irgendwie mehr Tag
Im Sommer wollen wir möglichst viel aus den langen Tagen herausholen – und können es auch. Wenn es draußen um neun noch hell ist, kommt einem der Tag nicht nur länger vor. Man kann tatsächlich auch nach dem Abendessen noch ein bisschen im Garten arbeiten oder etwas unternehmen. Im Herbst ist das schon alleine auf Grund der Dunkelheit nicht möglich. Trotzdem erwarten wir von uns oft dasselbe Programm.
Dabei ist ein Abend auf dem Sofa noch kein Zeichen von Antriebslosigkeit. Vielleicht war der Tag einfach lang. Vielleicht tut es auch gut, mal nichts vorzuhaben. Nach einem Sommer voller Unternehmungen kann das sogar ausgesprochen angenehm sein.
Entscheidend ist eher, ob wir unsere freie Zeit tatsächlich genießen. Oder ob wir uns jeden Abend ein bisschen lustlos durch das Fernsehprogramm zappen, weil uns gerade nichts Besseres einfällt.
Tageslicht gibt es auch bei schlechtem Wetter
Auch wenn wir im Herbst gerne die gemütlichen Seiten des Zuhauseseins entdecken: Beim Tageslicht lohnt es sich, etwas hartnäckiger zu sein.
Denn selbst ein bewölkter Himmel liefert draußen normalerweise deutlich mehr Licht als die Beleuchtung in Innenräumen. Und das hilft unserer inneren Uhr, sich am Tag-Nacht-Rhythmus zu orientieren. Deshalb kann es sinnvoll sein, gewohnte Aktivitäten einfach zu verschieben. Den Spaziergang nicht erst für den späten Nachmittag aufheben, sondern nach Möglichkeit schon am Vormittag losgehen. Die Mittagspause für eine kleine Runde draußen nutzen. Oder den Kaffee mit Freunden ausnahmsweise nicht im Café, sondern bei einem Spaziergang „to go“ trinken.
Gute Laune kommt manchmal erst hinterher
Im Herbst gibt es diese Feierabende, da fehlt plötzlich selbst auf die Verabredung mit den engsten Freunden die Lust. Draußen ist es ungemütlich, zu Hause wäre es so bequem. Doch dann fragt man sich später, warum man überhaupt überlegt hat abzusagen.
Dahinter steckt ein interessanter psychologischer Zusammenhang: Unsere Stimmung beeinflusst, was wir unternehmen. Aber umgekehrt beeinflusst auch das, was wir tun, unsere Stimmung.
In der Psychotherapie wird dieser Zusammenhang unter anderem bei der sogenannten Verhaltensaktivierung genutzt. Dabei werden angenehme oder als sinnvoll empfundene Aktivitäten gezielt in den Alltag eingebaut. Gerade wenn die Motivation fehlt, kann das helfen, wieder in Bewegung zu kommen.Für den Alltag lässt sich daraus etwas Einfaches mitnehmen:
Nicht immer darauf warten, bis die Lust von selbst kommt.
Ein guter Anfang kann sein, sich am Wochenanfang eine Sache vorzunehmen, auf die man sich freut. Ein gemeinsames Frühstück, ein Stadtbummel oder endlich der Ausflug, über den schon so lange gesprochen wird. Am besten gleich mit einem festen Termin. Denn aus „Das könnten wir auch mal wieder machen“ wird bekanntlich selten eine verbindliche Verabredung.
Nichtstun ist nicht gleich Erholung
Manchmal ist allerdings auch genau das Gegenteil richtig: einfach nichts mehr vorhaben. Nur ist das nicht unbedingt dasselbe wie sich zu erholen. Wer kennt das nicht? Eigentlich wollte man sich einen gemütlichen Abend machen. Zwei Stunden später hat man sich durch sämtliche Streamingangebote geklickt, nebenbei aufs Handy geschaut und weiß am Ende nicht einmal mehr, was man eigentlich gesehen hat. Besonders erholt fühlt man sich danach auch nicht.
Dabei spricht überhaupt nichts gegen einen Abend vor dem Fernseher. Es macht nur einen Unterschied, ob man sich bewusst einen Film aussucht, auf den man wirklich Lust hat, oder irgendwann aus Gewohnheit die Fernbedienung in die Hand nimmt.
Der Herbst ist eine gute Gelegenheit, wieder öfter selbst zu entscheiden. Ein Buch, für das im Sommer nie Zeit war. Endlich wieder Musik hören, statt sie nur nebenbei laufen zu lassen. Etwas kochen, das ein bisschen länger dauert. Oder tatsächlich früh ins Bett gehen, wenn die Müdigkeit groß ist.
Es geht nicht darum, auch die Erholung noch möglichst sinnvoll zu gestalten. Sondern darum, die freie Zeit so zu verbringen, dass sie einem hinterher auch gutgetan hat.
Der Herbst muss kein schlechterer Sommer sein
Vielleicht ist es gar nicht so schlimm, dass wir abends wieder früher nach Hause gehen, nicht jedes Wochenende unterwegs sind und die Tage etwas ruhiger werden. Es wäre jedenfalls schade, den ganzen Herbst damit zu verbringen, dem Sommer hinterherzutrauern.
Jetzt darf es wieder ein bisschen weniger sein, ohne dass man deshalb gleich etwas verpasst. Und vielleicht ist genau das die Kunst, es sich gut gehen zu lassen: nicht ständig nach dem nächsten schönen Moment zu suchen, sondern auch zu merken, wenn gerade einer da ist.
Fazit: Drei Dinge, die gegen den Herbstblues helfen
- Tageslicht mitnehmen, wann immer es geht.
Auch bei bewölktem Himmel ist es draußen deutlich heller als in Innenräumen. Deshalb den Spaziergang, den Einkauf oder die Kaffeepause möglichst in die hellen Stunden legen. Die innere Uhr freut sich darüber.
- Nicht auf die gute Laune warten.
Gerade keine Lust auf die Verabredung? Trotzdem hingehen kann sich lohnen. Oft kommt die Motivation erst, wenn man etwas unternimmt. Am besten gleich einen schönen Termin für die kommende Woche festlegen.
- Sich bewusst eine Pause gönnen.
Nicht jeder Abend braucht ein Programm. Aber zwischen echter Erholung und gedankenlosem Zeitvertreib liegt ein Unterschied. Lieber bewusst entscheiden, worauf man Lust hat, statt aus Gewohnheit auf dem Sofa zu versacken.
Häufige Fragen
Warum macht uns die dunkle Jahreszeit so müde?
Im Herbst werden die Tage kürzer und wir bekommen weniger Tageslicht. Das kann unsere innere Uhr und unseren Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen. Manche Menschen fühlen sich deshalb müder, weniger motiviert oder antriebslos als im Sommer.
Was ist der Herbstblues und wie äußert er sich?
Als Herbstblues bezeichnet man umgangssprachlich ein Stimmungstief, das mit der dunkleren Jahreszeit einhergehen kann. Typische Anzeichen sind Müdigkeit, Antriebslosigkeit, weniger Energie und eine gedrückte Stimmung. Nicht jeder Mensch ist davon betroffen.
Was hilft gegen den Herbstblues?
Gegen den Herbstblues können regelmäßiges Tageslicht, Bewegung an der frischen Luft und schöne Unternehmungen helfen. Auch bewusste Erholung ist wichtig. Wer sich kleine Aktivitäten vornimmt und gleichzeitig ausreichend Pausen einplant, kann die dunkle Jahreszeit angenehmer gestalten.
Warum ist Tageslicht im Herbst besonders wichtig?
Tageslicht ist ein wichtiger Taktgeber für unsere innere Uhr. Es hilft dem Körper, zwischen Tag und Nacht zu unterscheiden. Deshalb lohnt es sich, auch im Herbst möglichst viel Zeit draußen zu verbringen. Selbst bei bewölktem Himmel ist es draußen normalerweise deutlich heller als in Innenräumen.
Brauchen wir im Herbst mehr Schlaf als im Sommer?
Nicht unbedingt. Die dunkle Jahreszeit kann zwar dazu führen, dass wir uns häufiger müde fühlen, das bedeutet aber nicht automatisch, dass unser Körper mehr Schlaf benötigt. Wichtig ist, auf die eigenen Bedürfnisse und einen regelmäßigen Schlafrhythmus zu achten.
Was kann man gegen Antriebslosigkeit im Herbst tun?
Bei Antriebslosigkeit im Herbst kann es helfen, sich bewusst kleine, angenehme Aktivitäten vorzunehmen. Ein Spaziergang, ein Treffen mit Freunden oder ein gemeinsames Frühstück können die Stimmung verbessern. Oft entsteht die Motivation erst, wenn wir etwas unternehmen.
Wie kann man sich im Herbst richtig erholen?
Erholung bedeutet nicht unbedingt, möglichst wenig zu tun. Entscheidend ist, die freie Zeit bewusst zu gestalten. Ob ein gutes Buch, ein gemütlicher Filmabend oder ein früher Feierabend: Wichtig ist, dass sich die Pause hinterher tatsächlich erholsam anfühlt.
Wie kann man die dunkle Jahreszeit genießen?
Die dunkle Jahreszeit bietet die Gelegenheit, den Alltag etwas ruhiger zu gestalten. Statt dem Sommer hinterherzutrauern, kann man sich auf gemütliche Abende, bewusste Pausen und kleine Unternehmungen freuen. Der Herbst muss nicht genauso erlebnisreich sein wie der Sommer, um schön zu sein.


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