Ausbildung starten: Tipps, Gehalt & Bewerbung
Alles zur Ausbildung in Deutschland: Bewerbung, Gehalt, Vertrag und Förderungen – kompakt erklärt für deinen erfolgreichen Start.
📌 Kurz erklärt: Ausbildung
Der Einstieg in die Ausbildung ist der erste große Schritt ins Berufsleben. In Deutschland erfolgt sie meist dual – also im Betrieb und in der Berufsschule. Wer sich früh informiert, rechtzeitig bewirbt und seine Finanzen im Blick behält, schafft eine solide Grundlage für die Zukunft. Neben der Vergütung gibt es staatliche Unterstützung wie BAB oder BAföG.
1. Vor der Ausbildung
Die Auswahl an Ausbildungsberufen ist groß: Mehr als 300 anerkannte Berufe stehen zur Verfügung. Eine gute Orientierung bietet die Bundesagentur für Arbeit, wo typische Aufgaben, Anforderungen und Karrierechancen übersichtlich dargestellt werden.
In Deutschland erfolgt die Ausbildung in der Regel dual. Das bedeutet, dass praktische Erfahrungen im Ausbildungsbetrieb mit theoretischem Unterricht in der Berufsschule kombiniert werden. Der Schulunterricht findet entweder an ein bis zwei Tagen pro Woche oder in Blockform statt. Insgesamt dauert die Ausbildung je nach Beruf zwischen zwei und dreieinhalb Jahren.
Die Wahl des passenden Berufs sollte gut überlegt sein. Wer sich frühzeitig mit den eigenen Stärken, Interessen und Zielen auseinandersetzt und praktische Einblicke durch Praktika sammelt, trifft meist eine bessere Entscheidung. Auch Gespräche mit Freunden, Familie oder Bekannten können helfen, ein realistisches Bild vom Berufsalltag zu bekommen.
Ergänzend lohnt sich ein Besuch im Berufsinformationszentrum (BIZ) oder ein persönliches Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit.
Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz spielen neben persönlichen Kontakten vor allem Online-Angebote eine zentrale Rolle. Viele Unternehmen veröffentlichen ihre Stellenanzeigen direkt auf ihren Karriereseiten. Zusätzlich bieten Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern sowie die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit passende Angebote.
Bewerbungsstart
Viele Unternehmen beginnen bereits 12 bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn mit der Suche nach Azubis. Besonders aktiv sind die Monate September bis November.
Die Bewerbung erfolgt heute überwiegend digital. Sie besteht in der Regel aus einem Anschreiben, einem Lebenslauf sowie relevanten Zeugnissen und Nachweisen. Wichtig ist, dass alle Unterlagen vollständig und individuell auf den jeweiligen Beruf zugeschnitten sind.
Nach erfolgreicher Bewerbung folgt meist eine Einladung zum Vorstellungsgespräch oder zu einem Auswahlverfahren. Das Bewerbungsgespräch ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum Ausbildungsplatz. Unternehmen möchten hier herausfinden, ob der Bewerber fachlich und persönlich zum Betrieb passt. Typische Fragen drehen sich um die Motivation für den Beruf, die eigenen Stärken und Schwächen sowie um Kenntnisse über das Unternehmen. Eine gute Vorbereitung ist daher besonders wichtig: Wer sich im Vorfeld über den Betrieb informiert, häufige Fragen übt und sich eigene Fragen überlegt, wirkt sicherer und interessierter.
Auch der erste Eindruck spielt eine große Rolle. Dazu gehören ein gepflegtes Erscheinungsbild, Pünktlichkeit und ein freundliches Auftreten. Während des Gesprächs sollte man aufmerksam zuhören, ehrlich antworten und Interesse zeigen. Am Ende des Gesprächs gibt es oft die Möglichkeit, selbst Fragen zu stellen – diese Chance sollte man nutzen, um mehr über den Ausbildungsalltag oder Entwicklungsmöglichkeiten zu erfahren.
💡 Tipp: Informiere dich vorab über das Unternehmen, übe typische Fragen, sei pünktlich und authentisch und bereite eigene Fragen vor.
2. Die Zusage ist da – jetzt geht’s los
Nach erfolgreicher Bewerbung folgt die Zusage und damit der nächste wichtige Schritt: der Ausbildungsvertrag. Dieser wird zwischen dem Unternehmen und dem Auszubildenden geschlossen, bei Minderjährigen zusätzlich mit Zustimmung der Eltern. Darin sind alle wichtigen Rahmenbedingungen geregelt:
- Ausbildungsdauer
- Arbeitszeit
- Vergütung
- Urlaub
- Probezeit
Der gesetzliche Mindesturlaub richtet sich nach dem Alter.
- 16 Jahre: 30 Tage
- 17 Jahre: 27 Tage
- 18 Jahre: 25 Tage
- Volljährige: mindestens 24 Werktage
Auch die Arbeitszeit ist klar geregelt: Minderjährige dürfen maximal 40 Stunden pro Woche arbeiten, während für Volljährige bis zu 48 Stunden möglich sind.
Überstunden sind für Auszubildende grundsätzlich nicht verpflichtend. Falls sie dennoch anfallen, müssen sie entweder ausgeglichen oder vergütet werden und dürfen nur im Rahmen der Ausbildung erfolgen.
Zu Beginn der Ausbildung gilt außerdem eine Probezeit von mindestens einem und maximal sechs Monaten. In dieser Zeit prüfen sowohl du als auch dein Ausbildungsbetrieb, ob alles gut zusammenpasst. Während der Probezeit können beide Seiten das Ausbildungsverhältnis unkompliziert beenden.
Vor dem ersten Arbeitstag müssen einige organisatorische Dinge geklärt werden. Dazu gehören unter anderem die Steueridentifikationsnummer, eine eigene Krankenversicherung, ein Sozialversicherungsausweis sowie ein Girokonto für die Gehaltszahlung. Auch eine ärztliche Bescheinigung oder ein Führungszeugnis können erforderlich sein.
Steuern
Der Grundfreibetrag liegt derzeit bei rund 12.348 € pro Jahr. Einkommen darunter bleibt in der Regel steuerfrei.
Der erste Arbeitstag markiert schließlich den Start ins Berufsleben und ist für viele Auszubildende ein besonderer Moment. Neben einer gewissen Nervosität ist es vor allem wichtig, gut vorbereitet zu sein. Dazu gehört, pünktlich zu erscheinen, alle notwendigen Unterlagen mitzubringen und sich offen gegenüber neuen Kollegen und Aufgaben zu zeigen. Der erste Eindruck spielt eine große Rolle, denn er legt oft den Grundstein für die Zusammenarbeit im Team. Wer freundlich auftritt, Interesse zeigt und aktiv zuhört, findet sich in der Regel schneller im neuen Umfeld zurecht.
Auch im weiteren Verlauf der Ausbildung ist das Verhalten im Betrieb entscheidend. Neben fachlichen Kenntnissen erwerben Auszubildende wichtige soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit und Kommunikationsfähigkeit. Ein respektvoller Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten, Eigeninitiative sowie die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, tragen maßgeblich zum Ausbildungserfolg bei. Gleichzeitig ist es wichtig, bei Unklarheiten nachzufragen und Feedback anzunehmen, um sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Ebenso sollten Auszubildende ihre Rechte und Pflichten kennen. Sie haben Anspruch darauf, dass ihnen alle Inhalte vermittelt werden, die für das Ausbildungsziel notwendig sind, und dürfen nicht dauerhaft für ausbildungsfremde Tätigkeiten eingesetzt werden. Zudem muss der Betrieb geeignete Ausbilder zur Verfügung stellen und die notwendigen Arbeitsmittel bereitstellen. Auf der anderen Seite sind Auszubildende verpflichtet, die ihnen übertragenen Aufgaben sorgfältig auszuführen, die Berufsschule regelmäßig zu besuchen und die betrieblichen Regeln einzuhalten. Auch das Führen eines Berichtshefts gehört in vielen Berufen zu den festen Bestandteilen der Ausbildung.
3. Finanzen
Mit dem Start in die Ausbildung beginnt auch die finanzielle Eigenständigkeit. Die Höhe der Ausbildungsvergütung variiert je nach Branche, Region und Ausbildungsjahr, liegt aber durchschnittlich bei etwa 1.238 € brutto im Monat (Stand 2024). Von diesem Betrag werden Beiträge zur Sozialversicherung abgezogen, und bei höheren Einkommen können zusätzlich Steuern anfallen.
Reicht das Einkommen nicht aus, besteht unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf staatliche Unterstützung. Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB), die über die Bundesagentur für Arbeit beantragt werden kann, beträgt aktuell bis zu 822 € monatlich. Für schulische Ausbildungen kommt stattdessen BAföG infrage, das bis zu 957 € monatlich betragen kann.
Um finanziell den Überblick zu behalten, empfiehlt sich ein Haushaltsbuch. So lassen sich Einnahmen und Ausgaben besser kontrollieren und Sparpotenziale erkennen.
Auch das Thema Sparen sollte frühzeitig berücksichtigt werden. Vermögenswirksame Leistungen (VL) bieten eine einfache Möglichkeit, regelmäßig Geld anzulegen. Viele Arbeitgeber zahlen bis zu 40 € monatlich zusätzlich, wenn ein entsprechender Vertrag abgeschlossen wird.
Darüber hinaus ist es sinnvoll, sich frühzeitig mit der Altersvorsorge zu beschäftigen. Neben der gesetzlichen Rente kommen beispielsweise eine betriebliche Altersvorsorge oder die Riester-Rente infrage. Besonders attraktiv sind diese Modelle, wenn der Arbeitgeber sich finanziell beteiligt oder staatliche Zulagen gewährt werden.
💡 Tipp: Je früher du mit Sparen und Vorsorge beginnst, desto stärker profitierst du vom Zinseszinseffekt.
Auch Versicherungen spielen eine wichtige Rolle. Eine Privathaftpflichtversicherung gehört zu den wichtigsten Absicherungen und ist während der Ausbildung oft noch über die Eltern abgedeckt.Wer zusätzlichen Schutz möchte, kann über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nachdenken, die im Falle einer längeren Krankheit oder eines Unfalls den Lebensunterhalt sichert.



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